• Laufzeit14. Juni 2020 - 10. Januar 2021
  • OrtHamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart – Berlin
  • Webseitewww.katharinagrosseinberlin.de
  • Die Ausstellung wird ermöglicht durch die Freunde der Nationalgalerie und Volkswagen.

     

Die Malerei von Katharina Grosse kann überall auftauchen. Ihre raumgreifenden Arbeiten sind multidimensionale Bildwelten, in denen Wände, Decken, Objekte und ganze Gebäude und Landschaften mit leuchtenden Farben überzogen sind. Für die Ausstellung „Katharina Grosse. It Wasn’t Us“ hat die Künstlerin die Historische Halle des Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart – Berlin sowie den Außenbereich hinter dem Gebäude in ein expansives Bild verwandelt, das die bestehende Ordnung des musealen Raums radikal destabilisiert.
Entgrenzte Malerei

Für ihre ortsbezogene Malerei hat sich Katharina Grosse mit großer Geste und leuchtenden Farben über die Begrenzungen des Gebäudes hinweggesetzt: „Ich male mich aus dem Gebäude heraus“, so beschreibt die Künstlerin ihre Arbeit. In einem wochenlangen Prozess ist ein expansives Bild entstanden, das sich über die Historische Halle hinaus in den öffentlichen Raum erstreckt, sich über das weitläufige Gelände hinter dem Museum ausbreitet und schließlich auf der Fassade der 2004 dem Museum angegliederten sogenannten Rieckhallen landet. Diese kaleidoskopische, multidimensionale Bildwelt bringt die von der Künstlerin gestalteten Farben und Formen, die von Natur gegebenen und von Menschen gebauten Umgebungen sowie die Besucher*innen als Mitwirkende in einem allumfassenden, pulsierenden Farbgeschehen zusammen. Dabei verflüssigen sich die Grenzen zwischen einzelnen Gegenständen, zwischen horizontaler und vertikaler Ausrichtung, und je nach Standpunkt ändern sich die Größenverhältnisse. In der Bewegung durch das Bild eröffnen sich artifizielle assoziationsreiche und doch gänzlich reale Räume, die unsere Sehgewohnheiten, Denk- und Wahrnehmungsformen neu verhandeln.

So wie die Wahl des Ortes und verschiedenste Bedingungen und Faktoren auf den Entstehungsprozess des Gemäldes Einfluss nehmen, so bestimmen auch permanent wechselnde Blickrichtungen und unvorhersehbare Ereignisse den Wahrnehmungsprozess. Der Titel des Werks „It Wasn’t Us“ lässt sich in diesem Sinne als Verweis auf die immer gegebene Komplexität und Unberechenbarkeit einer Situation lesen; einer Situation, in der die Künstlerin ihr Werk schafft, wie einer Situation, in der Besucher*innen das Werk erfahren. So kann es unkalkulierbare Momente, Geschehnisse oder auch blinde Flecken geben, die das Ergebnis einer Handlung mitbestimmen, die für eine Situation ausschlaggebend sind. Nicht alle Folgen einer Handlung und nicht alle Aspekte einer herbeigeführten Situation lassen sich vorhersehen, und doch ist die Verantwortung dafür zu übernehmen.

Die nur für die Dauer der Ausstellung existierende Malerei verbindet übergangslos den Innenraum des Museums und den Außenraum des Platzes und überführt die vorgefundene Situation in einen Imaginations- und Möglichkeitsraum der Kunst.

Kurator*innen: Udo Kittelmann, Gabriele Knapstein