Ein Kuss für die Sammlung der Nationalgalerie

Für unsere Jungen FREUNDE Sophie und Feyko begann alles mit einer Frage, die viele Paare vor ihrer Hochzeit kennen: Was wünscht ihr euch eigentlich? Im Interview erzählen sie, wie aus ihrer etwas ungewöhnlichen Geschenkidee die Unterstützung eines Ankaufs für die Sammlung der Nationalgalerie wurde.

Ihr habt eure Hochzeit zum Anlass genommen, gemeinsam mit euren Gästen einen Ankauf für die Neue Nationalgalerie zu unterstützen. Wie ist diese Idee entstanden?

Feyko: Wir haben in Spanien geheiratet, und für uns war das größte Geschenk, dass unsere Gäste die Reise auf sich genommen und dieses Wochenende mit uns verbracht haben. Als wir im Vorfeld der Hochzeit dennoch immer wieder nach Wünschen gefragt wurden, entstand die Idee, stattdessen um Spenden zu bitten – für die Neue Nationalgalerie.

Sophie: Das Museum ist für uns seit unserem Umzug nach Berlin ein wichtiger Ort geworden. Wir gehen dort oft hin, und die Veranstaltungen der FREUNDE gehören fest zu unserem Berliner Leben. Deshalb hat es sich richtig angefühlt, diesem Ort etwas zurückzugeben.

Die Reaktionen der Gäste

Auf ihrer Hochzeitswebsite erklärten Sophie und Feyko ihren Gästen, dass sie sich statt klassischer Geschenke eine Spende für die Nationalgalerie wünschen würden.

Wie haben eure Gäste darauf reagiert?

Feyko: Sehr positiv. Viele fanden die Idee sofort schön und am Ende hat die Mehrheit unserer Gäste etwas gespendet. Alle mochten das Gefühl, gemeinsam etwas Bedeutsames zu bewirken.

Sophie: Und es ist etwas Bleibendes. Keine Vase, die irgendwo im Regal steht, sondern etwas, das öffentlich existiert.

Die Wahl des Kunstwerks

Nach der Hochzeit war es Charlotte Paulus, Sprecherin der Jungen FREUNDE, die den entscheidenden Impuls gab: Die Spende sollte keinen abstrakten Zweck erfüllen, sondern einen konkreten Ankauf unterstützen – damit die Hochzeit dauerhaft mit einem bestimmten Werk verbunden bleibt. Sie organisierte ein Treffen mit André Odier, dem Geschäftsführer der FREUNDE, und kurz darauf lag eine Liste möglicher Ankäufe vor.

Wie kam es dann zur Entscheidung für ein bestimmtes Werk?

Feyko: Auf der Liste war „The Cock (Kiss)“ von Wolfgang Tillmans – ein Foto aus dem Jahr 2002, das einen Kuss zweier Männer in einem Londoner Club zeigt. Das Bild kannten wir beide schon. Und was könnte besser zu einer Hochzeit passen als ein Kuss?

Was fasziniert euch an diesem Bild?

Feyko: Tillmans hat die Fähigkeit, Situationen festzuhalten, ohne dass sie inszeniert wirken. Seine Bilder fühlen sich sehr authentisch an. Das Foto des Kusses macht uns zu Beobachtern eines flüchtigen intimen Moments und hat etwas Zartes und Kraftvolles zugleich.

Sophie: Genau das gefällt mir auch. Das Foto wirkt so selbstverständlich. Es zeigt einfach einen Moment der Nähe zwischen zwei Menschen. Die Authentizität des festgehaltenen Augenblicks macht das Bild für mich so besonders.

Das Werk wurde in den USA mutwillig zerschlitzt – welche politische Dimension hat Tillmans‘ Bild für euch?

Feyko: Für uns ist es zunächst vor allem ein alltäglicher Moment – kein politisches Statement. Der Angriff zeigt aber, wie unterschiedlich solch ein Moment wahrgenommen werden kann. Für manche ist er offenbar nicht selbstverständlich, sondern so provokativ, dass sie den Anblick nicht aushalten. Das ist erschreckend.

Der Moment im Museum

Heute gehört das Werk zur Sammlung der Nationalgalerie. Wie war es für euch, das Bild jetzt im Museum zu sehen?

Sophie: Man geht durch die Ausstellung und plötzlich hängt dort dieses Bild, mit dem man eine eigene Geschichte verbindet.

Feyko: Es fühlt sich fast so an, als würde ein Teil unserer Hochzeit dort weiterleben. Das Foto von Tillmans ist für uns eine der schönsten bleibenden Erinnerungen an dieses besondere Wochenende – neben den vielen Hochzeitsfotos.

Sophie: Diese Erfahrung hat uns so viel gegeben, dass wir die Idee nur weiterempfehlen können. Denn was gibt es Schöneres, als später Fotos von Freunden zu bekommen, die das Werk in der Nationalgalerie besucht haben – und dabei an einen besonderen gemeinsamen Moment gedacht haben?

Wir danken den beiden für das Gespräch – und dafür, dass sie ihre persönliche Geschichte mit uns geteilt haben und damit einen besonderen Einblick in den Ankauf eines Werks für die Sammlung der Nationalgalerie ermöglichen.

 

Möchten Sie die Häuser der Nationalgalerie durch eine Spende oder ein thematisches Fundraising unterstützen? Hier erhalten Sie weiterführende Informationen.

Wir freuen uns auf Ihre Kontaktaufnahme!

Herzliche Grüße
Katharina von Chlebowski und André Odier

Hochzeit als Fundraising: Statt Geschenken sammelten Sophie und Feyko Spenden für die Neue Nationalgalerie – und unterstützten einen Kunstankauf / The Cock (Kiss), 2002 © Wolfgang Tillmans / Foto © Romana Eder-Grabher