Sylvie Fleury
First Spaceship on Venus

Künstler/in
Sylvie Fleury

Titel
First Spaceship on Venus / Erstes Raumschiff auf der Venus

Entstehungsjahr
1996

Technik und Abmessung
Holz, Styropor, braunes Kunstfell, Lautsprecher. 350 x 140 x 140 cm. Eines von 3 Unikaten.

Erwerbungsjahr
2025

Erwerbung der FREUNDE der Nationalgalerie, Schenkung Paul Maenz

Seit einiger Zeit steht sie am Eingang zur Sammlungspräsentation „Zerreißprobe“: die überraschend weiche Rakete von Sylvie Fleury. Ganz überzogen von zotteligem Fell hat diese Maschine jeden technischen Schrecken verloren. Für die Reise in das Weltall, wie der Titel der Arbeit „Spaceship“ suggeriert, taugt das Fluggerät nicht mehr. Die Rakete ist zum kuscheligen Möbelstück geworden, das stramm und durchaus phallisch in die Höhe ragt und das man gerne anfassen und streicheln möchte.
Es sind diese ironischen Umwertungen, mit denen die Schweizer Künstlerin in den 1990er Jahren international bekannt geworden ist. Wie schon die Pop Art-Künstler der 1960er Jahre widmet sich Sylvie Fleury der Welt der Waren und des Konsums, nun aber ganz aus weiblicher Sicht. Motive oder Produkte aus der Mode- und Kosmetikindustrie etwa hat sie aufgegriffen und durch grelle Veränderungen, Glitzer oder Spiegel ad absurdum geführt. Auch Autos und Motoren spielen in ihrem Werk eine wichtige Rolle. 1998 gründet sie den «She-Devils on Wheels»-Autoclub, benannt nach einem Film aus den 1960er-Jahren, in dem eine Frauengang auf Motorrädern erbarmungslos mit Männern abrechnet. Hier zeigt sich Sylvie Fleurys feministische Grundhaltung. «Es scheint mir unmöglich, in der heutigen Welt eine Künstlerin, ohne nicht auch eine Feministin zu sein», so Sylvie Fleury. Das „First Spaceship on Venus“ wurde 1996 in der Galerie von Mehdi Chouakri zum ersten Mal gezeigt. Der Titel des Werkes bezieht sich auf ein B-Movie der 1950er Jahre, in denen sich die Eroberung des Weltalls mit wilden Phantasien verband. Dazu passt, dass Sylvie Fleury ihre Rakete mit imitiertem Orang-Utang-Fell überzog. Die ursprünglich mit so großen Utopien verbundenen Space-Reise geschieht hier also mit einem betont animalisches Objekt. Die Rakete wird zum Tier. Ironischer lässt sich der historische Wettlauf im Weltall kaum zusammenfassen.

Joachim Jäger

Courtesy Galerie Mehdi Chouakri, Berlin © Sylvie Fleury, Genf | Foto: David von Becker, 2025

Bildquellen

  • Foto: David von Becker: Courtesy Galerie Mehdi Chouakri, Berlin © Sylvie Fleury, Genf | Foto: David von Becker, 2025