Rebecca Horn
Die Malmaschine / Arie in Schwarz, 1991

Künstler/in
Rebecca Horn

Titel
Die Malmaschine / Arie in Schwarz

Entstehungsjahr
1991

Technik und Abmessung
Zwei Glastrichter, schwarze Tinte, Champagner, Metallkonstruktion, Motor

Erwerbungsjahr
2004

Mit Die Malmaschine / Arie in Schwarz, entstanden 1991, kam 2004 ein sehr charakteristisches Werk der Künstlerin Rebecca Horn (1944–2024) in die Sammlung der Nationalgalerie. Rebecca Horn, gebürtig aus dem Odenwald, lebte seit den 1970er-Jahren neben New York auch in Berlin und hatte von 1989–2009 eine Professur für Multimedia an der Universität der Künste inne.
In ihren mechanisch-kinetischen, oft rätselhaften Installationen lotete Horn auf poetische wie theatrale Weise insbesondere das Verhältnis von Körper, Psyche und Geschlecht neu aus.
Mit der Malmaschine (Arie in Schwarz) hinterfragte sie den patriarchal geprägten Mythos des Künstler-Genies, indem sie ein abstraktes Wandgemälde von einer Maschine erstellen ließ. Schwarze Tinte wird einmalig mithilfe einer Spritzdüse, die sich aus einem Glastrichter speist, in gestischen Bahnen auf die Wand gesprüht. Die dann immer wieder aktivierbare Bewegung der Sprüh-Apparatur erzählt von diesem Herstellungsprozess. Erst mit Betreten des Raumes beginnt wie von Zauberhand die Bewegung: „Das Publikum wird zum Akteur“, so die Künstlerin. Die Werkelemente waren für sie „melancholische Darsteller in völliger Einsamkeit“, belebt erst durch das Publikum.
Flüssigkeiten und Färbevorgänge – schwarze Tinte sowie eine Champagnerfarbene Flüssigkeit in zwei Trichtern – verweisen in Horns Werk auf biologische Kreisläufe und auf zwischenmenschliche Dynamik. Neben Surrealismus und Arte Povera bezog sich Rebecca Horn häufig auf die Alchemie, einen naturphilosophischen Ansatz, der sich mit der Bedeutung und Umwandlung von Stoffen befasst. So könnte etwa die schwarze Farbe auf den dunklen Gallensaft der Melancholie verweisen, der traditionell gerne Künstler*innen zugeordnet werden.
Uta Caspary