Die großen Lücken bei Künstlerinnen-Positionen in der Sammlung der Nationalgalerie – wie in vielen anderen Kunstmuseen auch – sind ein Resultat historischer Diskriminierung, systemischer Vernachlässigung und gesellschaftlicher Strukturen. Seit einigen Jahren gibt es verstärkte Bemühungen, diese Lücken zu schließen, etwa durch gezielte Ankäufe, Forschungen und Ausstellungen, die Künstlerinnen in den Fokus rücken. Ein großartiges Beispiel hierfür war die international viel beachtete Ausstellung „Kampf um Sichtbarkeit“ im Jahr 2019 in der Alten Nationalgalerie, die bewusst auf diese Problematik einging.
Mit Blick auf den 50. Geburtstag der FREUNDE im Juni 2027 will das Netzwerk von engagierten Kunstfreundinnen drei bedeutende Künstlerinnen-Positionen ankaufen. Der erste erfolgreiche Ankauf war zu Beginn des Jahres 2026 die Arbeit „Tio por siempre“ von Kiki Kogelnik aus dem Jahr 1964, die damit einen festen Platz in der Sammlung der Neuen Nationalgalerie gefunden hat.
Nach diesem erfolgreichen Auftakt richtet sich der Blick nun auf ein außergewöhnliches neues Vorhaben in der Alten Nationalgalerie: den Ankauf von Hermione von Preuschens monumentalem Gemälde „Mors Imperator“. Das 1887 entstandene Werk löste seinerzeit einen veritablen Kunstskandal aus und machte die Künstlerin international bekannt. Heute bietet sich der Nationalgalerie die einmalige Gelegenheit, dieses lange aus dem öffentlichen Blick verschwundene Sensationsbild dauerhaft für die Sammlung zu sichern. Mit dem Ankauf würde nicht nur ein herausragendes Werk des 19. Jahrhunderts nach Berlin zurückkehren, sondern auch eine bemerkenswerte Künstlerin neu in die Kunstgeschichte der Nationalgalerie eingeschrieben werden. Bis zum 15. November wird das Bild mit einer klugen Kabinettsausstellung in der Alten Nationalgalerie gewürdigt, danach würde es Berlin wieder verlassen. Das engagierte Frauen-Netzwerk ist daher hochaktiv und freut sich über jede weitere Unterstützung.