• Künstler/inAline Baiana
  • TitelThe cross of the South
  • Entstehungsjahr2020
  • GattungInstallation
  • Technik und Abmessung5 Gesteine ( Bändererz, goldhaltiges Konglomerat, Schmuckstein, Itabirit, kupferhaltiges Konglomerat), Drahtseile, Computerteile, Eisenarz, Epoxidharz und Bergbauabfälle resultierend aus Umweltkriminalität in Brumadinho, BR, variable Dimension
  • Erwerbungsjahr2021
  • Erwerbung der StiftungJa

Aline Baiana, The cross of the South, 2020

Das „Kreuz des Südens“ ist ein Sternbild, das in der Seefahrt jahrhundertelang eine wichtige Rolle einnahm. Unter anderem führte es portugiesische Seefahrer im Jahre 1500 nach Brasilien, wie der Astronom Mestre João Faras berichtete, der die Expedition damals begleitete. Die Konstellation, die nur von der südlichen Hemisphäre aus zu sehen ist, besteht aus fünf Sternen, die eine kreuzähnliche, nach Süden weisende Form bilden.

Aline Baiana bildet in ihrer Installation The Cross of the South (2020) das Sternbild aus fünf Steinen nach, die sinnbildlich für die massive Bergbauindustrie stehen, die sich in Brasilien seit dem Beginn der Kolonisierung entwickelt hat. Die Edelsteine – Extrakte aus Eisenerz, Manganerz, Kupfererz, Gold sowie Schmucksteinen – sind in derselben Form angeordnet wie die Sterne des Sternbilds und ergeben zusammen ein Kreuz. Allerdings ist dieses nur von einem bestimmten Punkt im Ausstellungsraum aus als solches zu erkennen. Die Arbeit fordert uns also dazu auf, uns im Raum zu bewegen und den Blickwinkel zu verändern. Gleichzeitig lädt sie dazu ein, kritisch zu reflektieren, inwiefern auch die Geschichtsschreibung durch eine dominante Sichtweise geprägt ist, die andere Perspektiven, einschließlich der Indigenen Wissenssysteme und Narrative, hartnäckig ignoriert.

Der Bergbau ist einer der wichtigsten Sektoren der brasilianischen Wirtschaft, was verheerende Konsequenzen für die Indigenen Völker hat, die seit vorkolonialer Zeit auf diesem Land leben. Der Dammbruch in Brumadinho Anfang 2019 ist nur ein besonders prominentes Beispiel einer unzähligen Reihe von Katastrophen. Baianas Arbeit thematisiert das kollektive Trauma und die ökologischen Auswirkungen der anhaltenden Verbrechen der Kolonisierung. Gleichzeitig eröffnet sie einen geologischen und kosmologischen Blick in dekolonisierte Zukünfte, in denen vielfältige Wissenssysteme nichthierarchisch gedacht werden und in welchen die natürliche Umwelt nicht mehr bloß als Ressource betrachtet wird, die es auszubeuten und zu vermarkten gilt.

Text: Vanina Saracino (Berlin Biennale 2020)