• Künstler/inBartolina Xixa
  • TitelRamita Seca. La Colonialidad Permanente
  • Entstehungsjahr2019
  • GattungVideo
  • Technik und DauerHD Video, Farbe, Ton, 5′07″ Ed. 1/5 + 2 AP
  • Erwerbungsjahr2020
  • Erwerbung der StiftungJa

Bartolina Xixa, Ramita Seca, La Colonialidad Permanente, 2019 © courtesy: Bartolina Xixa

Bartolina Xixa ist eine Dragqueen aus den Anden, die am 28.11.2017 in Tilcara in der Provinz Jujuy im Nordwesten von Argentinien geboren wurde. Sie ist eine Kunstfigur, die vom Coya-Künstler und Tänzer Maximiliano Mamani (1995 ebenfalls in der Provinz Jujuy geboren) geschaffen wurde. Der Impuls hierfür war, die kolonialen Ursprünge der subalternen Identitäten in den Kulturen des Südens zu thematisieren und gleichzeitig die Vorstellungen und Kategorien von race und gender infrage zu stellen, die den Indigenen Völkern im Zuge der Kolonialgeschichte aufgezwungen wurden. Xixa ist eine Hommage an die bolivianische Revolutionsführerin Bartolina Sisa Vargas (ca. 1750–82), eine Aymara-Frau, die im achtzehnten Jahrhundert zusammen mit ihrem Mann Túpac Katari (ca.1750–81) gegen die koloniale Besetzung des heutigen Peru und Bolivien kämpfte und schließlich von spanischen Truppen hingerichtet wurde. In der Figur der Xixa erinnert Mamani an die Aufstände und Kämpfe der Indigenen als Grundlage für die Aufhebung patriarchaler und rassistischer Paradigmen, während er gleichzeitig den Frauen seiner Familie und der Gemeinschaft im Tal der Quebrada de Humahuaca in Jujuy seine Ehrerbietung erweist. Diese Region war jahrhundertelang hegemonialen Machtstrukturen unterworfen, die den lokalen Indigenen Völkern die Sichtbarkeit und den Zugang zu Ressourcen verweigerten, indem sie ihnen die weiße Kultur und den Kapitalismus aufzwangen.

In dem Musikvideo Ramita Seca, La Colonialidad Permanente [Trockener Zweig. Die permanente Kolonialität, 2019] performt Xixa eine von ihr kreierte Choreografie inmitten einer Müllhalde. Die Musik und der Text stammen von der Folksängerin Aldana Bello. In traditionelle Gewänder gekleidet, tanzt Xixa zwischen zerschlissenen Matratzen und Müllsäcken im Staub. Die Bewegungen wirken, als wären sie überlieferte Heilmittel gegen eine koloniale, ausbeuterische Gewalt. Die Arbeit fungiert als Aufruf an die dissidenten Körper, die unter dem System der Ausbeutung in den ehemaligen Kolonien leiden, politisch Stellung zu nehmen, Haltung zu zeigen sowie sozioökonomische Ungleichheiten und strukturelle Gewalt zu bekämpfen, damit die kolonialen Wunden heilen können.

Beatriz Lemos (Text 11. Berlin Biennale)